Arbeitskreis Traditionelle Astrologie

15. Dezember 2008

Fixsterne

von Birgit Gohr

Das Jahrtausende alte Deutungselement der Fixsterne ist im Zuge der sogenannten „Modernisierung” der westlichen Geburtsastrologie lange Zeit vernachlässigt worden. In der traditionellen Astrologie sind Fixsterne ein wichtiger Bestandteil der Horoskopdeutung; in der Mundanastrologie spielen sie eine herausragende Rolle und für die Wetterastrologie scheinen sie unverzichtbar.

Astrologie gehört zum ältesten Menschheitswissen, daher möchte ich die kulturhistorischen und astronomischen Hintergründe so kurz wie möglich skizzieren.

Der Begriff Fixstern mag irreführend sein, denn bereits die Babylonier stellten fest, dass sich diese Himmelskörper sehr langsam am Firmament bewegen . Diese Bewegung ist durch die Präzession begründet, die eine scheinbare Bewegung um 1  Bogengrad in 72 Jahren – entsprechend ca.50,38 Bogensekunden pro Jahr – verursacht.

1718 entdeckte der Astronom Edmond Halley, dass Sterne offensichtlich eine Eigenbewgung besitzen. Er beobachtete, dass die Positionen der Sterne Sirius und Arcturus ca. 30 Bogensekunden von den Himmelsorten entfernt waren, an denen sie nach den Sternkarten des Hipparch und des Ptolemäus unter Berücksichtigung der Präzessionsbewegung sein mussten.

Fixsterne spielten für die Menschen im Altertum eine sehr wichtige Rolle, sie dienten der Orientierung und der Zeitbestimmung. Da die Sterne die letzte der sichtbaren Himmelssphären besetzen, nahmen die Menschen an, dass sie nahe bei Gott waren; in einigen Kulturen wurde die Fixsternsphäre als „Thron Gottes” bezeichnet.

Eine besondere Bedeutung kommt den vier sogenannten „Königssternen” zu, die sich nahe der Ekliptik befinden. Sie gehören zu den 20 hellsten Sternen und galten im Alten Orient als die „Hüter des Himmels”. Vor ca. 3.000 Jahren stieg jeweils einer dieser vier Sterne zum Beginn einer Jahreszeit in der Morgendämmerung am Osthorizont auf.

Aldebaran : Hüter des Ostens – Frühlingsanfang
Regulus : Hüter des Südens – Sommeranfang
Antares : Hüter des Westens – Herbstanfang
Fomalhaut : Hüter des Nordens – Winteranfang

Nicht weniger bedeutsam war Sirius, der Hauptstern im Sternbild „Großer Hund” .
Er ist der hellste Stern des Himmels und wird auch „Hundsstern” genannt. Im alten Ägypten war sein heliakaler Aufgang1 ein sicheres Vorzeichen dafür, dass die Nilhochwasser begannen, die fruchtbaren Schlamm für die Felder mit sich brachten. Außerdem kündigte dieses Himmelsereignis die heißesten Tage des Jahres an. Vor ca. 2.000 Jahren erschien Sirius (Hundsstern) in den Breiten des Römischen Reiches um den 23. Juli erstmals sichtbar am Osthorizont als Vorbote der größten Sommerhitze. Die Römer nannten die Tage zwischen dem 23. Juli und 23. August „Hundstage” (dies caniculares). Diese Bezeichnung hat sich bis heute gehalten. Obwohl Sirius in unseren Breiten aufgrund der Präzession mittlerweile erst Ende August heliakal aufgeht, sind die Hundstage zu einem festen Begriff für die heißesten Tage eines Jahres geworden.

Astronomisch werden Fixsterne nach Helligkeit1 und nach ihrer Spektralfarbe kategorisiert. Der griechische Mönch und Astronom Hipparch von Nicäa katalogisierte die Sterne, die mit bloßem Auge zu erkennen waren, in Größenklassen zwischen 1 und 6. Dieses Prinzip der Einteilung besteht bis heute, es wurde modifiziert und verfeinert, so dass die Werte der hellsten Sterne Sirius (-1,5) und Canopus (-0,7) mit negativen Zahlen dargestellt werden.

1fixsterne magnitude

Für die astrologische Deutung sind die 20 hellsten Sterne am wichtigsten, insbesondere jene, die sich nahe der Ekliptik befinden, da sie (von der Erde gesehen) auf- und untergehen. Jeder Fixstern wird, abhängig von seiner Spektralfarbe, einem oder zwei bestimmten Planeten zugeordnet, er trägt deren „Signatur”.

Als grobe Faustregel für die astrologische Zuordnung der Fixsterne zu den Planeten gilt:

1fixsterne farben

Der Orbis richtet sich nach der Helligkeit des Fixsterns: ein Stern der Stärke 1 oder höher kann noch bei 3° deutliche Wirkung zeigen, während Sterne der Stärke 5 nur bei Gradgenauigkeit zu berücksichtigen sind.

Für die erste astrologische Beschäftigung mit den Fixsternen empfiehlt sich, zunächst die Mythologie der zugehörigen Sternbilder und danach erst die Deutungen einzelner Sterne zu lesen. In den alten Schriften werden Fixsterneinflüsse oft sehr drastisch dargestellt. Diese Deutungen sollten immer im Kontext der Mythologie und der Zeit, in der sie aufgeschrieben wurden (Antike bis Mittelalter) betrachtet und in ihrer grundlegenden Bedeutung in die heutige Zeit übersetzt werden.


1fixsterne

Literatur:

Fasching, Gerhard

Sternbilder und ihre Mythen

SpringerWienNewYork

3. Auflage 1998

Hermann, Joachim

Das große Lexikon der Astronomie

Faktum Verlag

2001

Littrow von, Jos. Joh.

Die Wunder des Himmels

Dümmlerbuch

11. Auflage 1963

Robson, Vivian

Fixed Stars&Constallations in Astrology

Astrology Classics

The Astrology Center of America

Uhle, Michael

Die Fixsterne

Chiron Verlag

Zoller, Robert

Diploma Course in Medieval Astrology (unveröffentlicht)

New Library, London

2002



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