Arbeitskreis Traditionelle Astrologie

21. Januar 2009

Elektionen

Was ist Elektionsastrologie?

Ein Elektionshoroskop ist ein Geburtshoroskop

von Erik van Slooten

Wenn jemand beispielsweise einen Laden öffnen will, kann er sich von einem klassischen Astrologen ein Elektionshoroskop (Latein ‘electio’ = Auserwählung) erstellen lassen. Nachdem der Astrologe sich bei seinem Klienten darüber informiert hat, um was für einen Laden es geht, in welcher Periode der Klient seinen Laden öffnen möchte und wie er sich die Eröffnung vorstellt, sucht er innerhalb der vorgegebenen Periode einen kosmisch geeigneten Augenblick für diese Eröffnung. So entsteht ein Elektionshoroskop, das im Grunde (wenn dieser Zeitpunkt tatsächlich eingehalten wird) das Geburtshoroskop dieses Ladens ist.   Eine gute und wohlüberlegte Elektion garantiert zwar nicht automatisch den Erfolg eines Unternehmens, aber kann sehr zum Erfolg beitragen.

Eines der bekanntesten Elektionshoroskope aus der Geschichte der Astrologie ist das Horoskop der Gründung des berühmten Greenwich-Observatoriums (durch das die 0-Merdian der Welt läuft!). Es wurde im Jahre 1675 von dem englischen Hofastronomen (und -Astrologen!) John Flamsteed erstellt. In dieser Elektion hat Flamsteed auch mit dem Geburtshoroskop des englischen Königs Charles II, Gründer dieses Observatoriums, Rechnung getragen. Auch der Beginn der Erfolgsreise von Kolumbus im Jahre 1492, die zur Entdeckung von Amerika führte, kam mittels einer Elektion zustande. Man kann dagegen immer wieder feststellen, das Unternehmungen, die schlecht gelaufen sind (beispielsweise eine Firma, die Konkurs gemacht hat) schlechte, ja verheerende Gründungshoroskope haben.

Das Erstellen einer Elektion ist oft eine zeitaufwändige Arbeit. Um bei der Ladeneröffnung zu bleiben: Der Astrologe findet zwar vielleicht schnell einen kosmisch geeigneten Augenblick, aber wenn dieser Augenblick um 3 Uhr nachts fällt, wird niemand zu dieser Eröffnung kommen. Er hat also bei seiner Arbeit auch mit sozialen Rahmenbedingungen Rechnung zu tragen. In der Praxis heißt das, dass der Astrologe oft länger suchen und sich viele Horoskope ansehen muss.

Elektionen im Computerzeitalter

In früheren Zeiten, als jedes Horoskop noch mit der Hand berechnet werden musste, war das Erstellen einer Elektion eine mühsame Mönchsarbeit. Heutzutage ist diese Technik dank des Computers, der alle Horoskopberechnungen schnell und zuverlässig übernimmt, sehr viel attraktiver geworden.

Aber trotz Computertechnik bleibt eine gute, wohlüberlegte Terminwahl eine ziemlich zeitraubende Angelegenheit, weil der Astrologe sich nicht darauf beschränken kann, ‘nur’ einen geeigneten Zeitpunkt für ein Unternehmen zu bestimmen. Nein, er soll auch genau darauf achten, dass dieser Zeitpunkt mit dem Geburtshoroskop des Geborenen, der das Unternehmen angehen will, harmoniert. Deshalb ist es für den Astrologen manchmal schwierig, seinem Klienten im Voraus genau zu sagen, mit welchem Honorar dieser für eine Elektionsbestimmung rechnen muss, weil er den Zeitaufwand noch nicht kennt. Erfahrene Astrologen werden übrigens meistens schon mehr oder weniger einschätzen können, wie viel Zeit sie brauchen. Wenn der Klient seinem Astrologen für die Ladeneröffnung vier mögliche konkrete Samstage vorgibt, wird die Wahl des meist geeigneten Augenblicks viel weniger Zeit in Anspruch nehmen, als wenn der Astrologe den Termin in der Zeitspanne eines halben oder ganzen Jahres suchen muss.

Mondelektionen, ‘die Astrologie armer Leute’

Weil also eine richtige Elektion teuer war, haben die alten Astrologen auch eine wesentlich schnellere und billigere Methode (‘die Astrologie armer Leute’) angeboten, wobei sie ausschließlich die Mondaspekte in Betracht gezogen haben. Oft kannten die einfachen Menschen ihre Geburtsdaten nicht und konnten sich von Astrologen nur beraten lassen, indem sie diesen konkrete Fragen stellten (Stundenastrologie) und/oder von ihnen mittels Mondelektionen günstige Termine angeboten bekamen, wobei sie ausschließlich die Mondaspekte in Betracht gezogen haben. Oft kannten die einfachen Menschen ihre Geburtsdaten nicht und konnten sich von Astrologen nur beraten lassen, indem sie diesen konkrete Fragen stellten (Stundenastrologie) und/oder von ihnen mittels Mondelektionen günstige Termine bestimmen ließen.

Obwohl sie eine richtige Elektion nicht ersetzen können, bieten die Mondaspekte tatsächlich eine ziemlich zuverlässige Methode, einfach und schnell einen geeigneten Zeitpunkt für eine Unternehmung zu bestimmen. So kann der Astrologe einem Klienten, der eine wichtige, aber gefährliche Reise unternehmen muss, empfehlen, diese Reise bei einem guten Aspekt zwischen Mond und Jupiter anzufangen. Dem schönen Mädchen von nebenan erklärt man am Besten seine Liebe während einer Mond/Venus-Konjunktion! Mondaspekte sind auch deshalb so geeignet, weil der schnelle Mond innerhalb eines Monats fast alle wichtige Aspekte zu allen Planeten bildet.

Übrigens soll man sich davor hüten, sein Leben nur noch von den Ephemeriden bestimmen zu lassen, weil das die Spontaneität erheblich einschränken würde!

Literatur:
Zu Elektionen: Erik van Slooten, Klassische Stundenastrologie (Chiron-Verlag, 2008), Kapitel 16.
Zu Mondelektionen: Erik van Slooten, Klassische Horoskopdeutung (Chiron-Verlag, 2005), Kapitel VI.


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