Arbeitskreis Traditionelle Astrologie

1. Januar 2009

Masha’allah

Martien Hermes/ Erik van Slooten/ Elke Jurasszovich

Mâshâ’allâhs stundenastrologische  Methode

1. ZUR PERSON MÂSHÂ’ALLÂH’s:

Mâshâ’allâh (Lateinisch: Messalla und Messahalla = was Gott getan hat) gilt als einer der Väter der arabischen Astrologie. Er lebte von 740 bis ca. 815, war Schüler von Nawbahkt, der Perser, und Lehrer des großen Al Khayyat (Abu Ali Ali).

Sein eigentlicher Name war Jethro of Manassaeh. Er war ein ägyptischer Jude, der zum Islam konvertierte und in Basra lebte und wirkte. Kalief al- Mansur, der einen neuen und religiösen Hofstaat als Konkurrenz zu Rom errichten wollte, beauftragte seinen Hofastrologen, mit Hilfe eines Horoskops den günstigsten Zeitpunkt für die Gründung zu wählen. Dieser  machte sich mit prominenten Astrologen jener Zeit, darunter der junge Mâshâ’allâh – ans Werk und so ist Bagdad die einzige Stadt der Welt mit einem Gründungshoroskop.1
Mâshâ’allâh schrieb viele Werke, darunter auch über Stundenastrologie, sowie das erste Arabische Traktat über das Astrolabium. Sie wurden im mittelalterlichen Europa begeistert studiert.

Eine ausführliche Liste seiner Werke finden Sie am Ende des Beitrages.

2. MÂSHÂ’ALLÂH’s STUNDENASTROLOGISCHE METHODE2

Bei den heutigen Stundenastrologen ist die am meisten angewandte Methode jene von William Lilly, der sie in seinen Büchern Christian Astrology (1647) sehr ausführlich erklärte und mit Beispielen anschaulich darlegte.

Durch die Übersetzung des Mâshâ’allâh – Buches On Reception wurde nun eine weitere Methode bekannt, die völlig anders funktioniert. Diese Technik kann man in seinem Buch genau studieren und sie ist von Mâshâ’allâh mit einigen Beispielen versehen, die das Funktionieren dieser Methode beweist.

  • Häusersystem:
    Aus Mâshâ’allâh’s Werk ist nicht ersichtlich, welches Häusersystem er benutzte. Wir wissen von Rhetorius (6.Jh.), dass er das Häusersystem des Alcabitius benutzte, das später bei den Arabern durchgehend in Gebrauch war. 3
    Beispielhoroskope wurden wahrscheinlich für Bagdad erstellt. Bagdad liegt schon so weit südlich, dass die Häuser mit Systemen wie Alcabitius, Placidus und Regiomontanus etwa gleich groß werden.
  • H1 oder Mond?

Für die meisten Stundenastrologen ist H1 der Hauptsignifikator des Fragenden und der Mond der Nebensignifikator. In Mâshâ’allâhs Methode ist diese Zuordnung von der Position dieser beiden Planeten abhängig. Wenn das Zeichen des Aszendenten und das Zeichen, in dem H1 sich befindet, disjunkt sind, übernimmt der Mond meistens die Hauptrolle. Von dieser Regel gibt es übrigens verschiedene Ausnahmen, auf die hier nicht näher eingegangen wird. Dem interessierten Leser sei dazu die englische Übersetzung empfohlen4.

  • Disjunkte Zeichen: Zwei Zeichen sind ‘disjunkt’, wenn sie entweder 30 Grad oder 150 Grad voneinander entfernt sind. Beispiel: Mit dem Zeichen Jungfrau sind die folgenden vier Zeichen disjunkt: Die Nachbarzeichen Löwe und Waage (Entfernung 30°) und die Zeichen Wassermann und Widder (Entfernung 150°). Das Halbsextil (30°) und das Quincunx (150°) sind klassisch gesehen keine Aspekte. ‘Aspekt’ heißt etwa ‘Blickwinkel’ und zwei Planeten, die 30° oder 150° voneinander entfernt sind, ‘sehen’ einander nicht. Dasselbe gilt für Zeichen.
  • Aspekte über die Zeichengrenze hinaus: Die meisten Stundenastrologen lassen nur die Aspekte gelten, die innerhalb der Zeichen, in denen die betroffenen Planeten sich befinden, zustande kommen. Bei Mâshâ’allâh können auch Aspekte, die Planeten über die Zeichengrenze hinaus bilden werden, eine Rolle spielen.
  • Würden: Was die Würden angeht, arbeitet Mâshâ’allâh nur mit Domizilen und Erhöhungen.

3. MÂSHÂ’ALLÂH’s WERKE

Mâshâ’allâh schrieb viele Werke, darunter auch über Stundenastrologie, sowie das erste Arabische Traktat über das Astrolabium. Sie wurden im mittelalterlichen Europa begeistert studiert. Von seinen 20 Büchern sind einige durch Übersetzungen ins Lateinische erhalten geblieben

(Quelle:- James H. Holden): http://cura.free.fr/xxv/23hold1.html#Ref17

  • The Revolution of the Years of Nativities [Solar Returns],
  • De revolutionibus annorum mundi (Widder Ingresse), erhältlich in moderner spanischer Übersetzung
  • Conjunctions, erhältlich in moderner spanischer Übersetzung
  • Epistola in rebus eclipsis
  • The Construction and Use of the Astrolabe
  • Englische Übersetzung von vier Kapiteln des Book of Nativities 5
  • Reception of the Planets or Interrogations, erhältlich in moderner spanischer Übersetzung6
  • Englische Übersetzung  von De Receptione (On Reception)4
  • Weitere, unlängst erschienene englische Übersetzungen von Ben Dykes7:

Masha’allah: On the Knowledge of the Motion of the Orb. An astronomical work covering the elements, planetary orbs, eclipses and weather.

Masha’allah: On the Roots of Revolutions. Also known as the „Letter on Eclipses,” this work introduces basic concepts in mundane astrology.

Masha’allah: Chapter on the Rains in the Year. A work on weather prediction.

Masha’allah: On Rains. A work on weather prediction.

Masha’allah: On the Revolution of the Years of the World. A lengthy work on interpreting ingress charts and eclipses, both for political events and weather.

Masha’allah: On the Significations of the Planets in a Nativity. Intriguing lists of planetary positions in the signs, houses, and the bounds, including a use of planetary periods for prediction.

Masha’allah: On Nativities. An introduction to life-expectancy predictions and quality of life delineations.

Masha’allah: On the Interpretation of Cognition. A work based on „consultation charts,” finding significators for the purpose and outcome of horary consultations.

Masha’allah: On Hidden Things. A collection of techniques for finding hidden and lost objects.

Masha’allah: On Reception. A lengthy, classic work on horary technique and the value of reception.

Masha’allah/Jirjis: What the Planets Signify in the Twelve Domiciles of the Circle. Delineations for the planets in each others’ domiciles.

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1 „Astrologie als Ambacht„ von Martien Hermes, Synthese Verlag, 2007, S. 29;  (Informationen aus dem Niederländischen übersetzt von Elke Jurasszovich)

2 Informationen zur Methode aus dem Buch:

Erik van Slooten: Klassische Stundenastrologie, 2008, Chiron Verlag, S.166. In seinem   Buch behandelt Van Slooten ein Beispielhoroskop aus Mâshâ’allâhs Werk.

3 Rafael Gil Brand: Lehrbuch der Klassischen Astrologie, 2000, Chiron Verlag, S. 214

4 Übersetzt von Robert Hand: On Reception, im Rahmen des Hindsight- Projekts; erschienen bei ARHAT (Archive for the Retrieval of Historical Astrological Texts), 1998.

5 In Appendix 2 von Abu ‘Ali al-Khayyat: The Judgments of Nativities, übersetzt von James H. Holden

6 Übersetzt von Demetrio Santos in Textos astrológicos medievales (Madrid: Editorial Barath, 1981) in two parts (Part 1: Mâshâ’allâh; Part 2: Ibn Ezra). Mâshâ’allâh’s book contains six horary charts, five from the year 791 and one from 794

7 Genaueres unter: www.bendykes.com/sahl-mashaallah.htm

***

Es folgt ein Beispiel an dem diese Methode erprobt wurde:

Frage: Bin ich schwanger?

14.12.1998,19:37, Zeist, Nederland, Alcabitius, AC auf 2°36 Löwe

aus: „Astrologie als Ambacht„ Martien Hermes, S. 237

(Übersetzung des Textes aus dem Niederländischen und freie Deutung von

Erik van Slooten und Elke Jurasszovich, mit freundlicher Genehmigung des Autors)

Eine Klientin stellte nach Ausbleiben der Menstruation diese Frage.

Zuerst sehen wir nach, ob wir mit der Sonne, dem H.v.1 arbeiten können. Da sie den AC „sehen” kann, also nicht zu ihm in Aversion steht, arbeiten wir hauptsächlich mit diesem Planeten, der für die Fragende steht.

Die Sonne steht im 5. Zeichen in Schütze, im Haus 5, was auf das Thema Kinder verweist. Das kann als Bestätigung der Frage betrachtet werden.

Aufschlussreich sind nun im Folgenden die Aspektbildungen der Sonne:

  • - Das Sextil von Sonne und Jupiter ist separativ.
  • - Auch das Sextil der Sonne zu Mars, dem Herrscher von 5, ist separativ.
  • - Die Sonne appliziert im Trigon auf Saturn, der zwar in Widder im Fall steht, aber im starken 10. Haus (Eckhaus) und in 2 kleineren Würden: Triplizität und Grenzen. Nach Mâshâ’allâh gilt, wenn H1 auf irgendeinen Übeltäter im Eckhaus oder in starker Position appliziert, dazu mit Rezeption, kann die Frage mit Ja beantwortet werden.

Es besteht auch eine starke Rezeption, weil die Sonne in 2 kleineren Würden von Saturn steht: Seinen Grenzen und seinem Dekanat. Die Disposition, die die Sonne übergibt, wird nun von Saturn empfangen und er wird die Angelegenheit vollziehen; er wird zum Letztverantwortlichen.

Im Prinzip weist Saturn nach Mâshâ’allâh auf einen stabilen Ausgang hin, weil er ein starker Planet ist, mit essentiellen Würden in einem Eckhaus.

Das einzige, was die Sache verhindert, ist seine Rückläufigkeit, ein ernstzunehmendes Hindernis bei der Dispositionsübergabe! In diesem Fall gibt er die Disposition zurück an die Sonne und verhindert somit gemäß Sahl den positiven Ausgang. Wäre Saturn nicht rückläufig gewesen, wären wir zum Ergebnis gekommen, dass sie wohl schwanger ist!

Nachdem wir nun den Hauptsignifikator gedeutet haben, müssen wir gemäß Mâshâ’allâh den Mond untersuchen.

Der Mond in Skorpion ist in Aversion mit Schütze (dem 5.Zeichen) und weit entfernt von Hausspitze 5. Der Mond kann nicht auf Mars, den H.v.5 applizieren, weil dieser in Waage steht und daher in Aversion mit Skorpion ist, in welchem der Mond steht. Auch das spricht gegen eine Schwangerschaft.

Die erste Applikation des Mondes wird mit Jupiter in seinem eigenen Zeichen Fische stattfinden. Jupiter ist bei Fragen über Kinder wichtig, weil er der große Wohltäter und der Verwandtschaftsplanet für Kinder und Schwangerschaften ist.

Wenn der Mond auf Jupiter applizieren würde, könnte die Fragende schwanger sein. Das ist zwar der Fall, aber der Aspekt steht mit 13° außerhalb des erlaubten Orbis von 12°.

Diese Deutung hat gestimmt: Die Frau war nicht schwanger!



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